Das aktuelle Programm Erasmus+ läuft bis Ende 2027. Im Juli 2025 hat die Europäische Kommission ihren Vorschlag für die nächsten sieben Jahre auf den Tisch gelegt, seitdem verhandeln die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament darüber. Noch ist nichts fix, aber die Konturen des Programms 2028–2034 zeichnen sich ab. Hier fassen wir zusammen, was wir wissen und was das für Jugendbegegnungen, Trainingskurse und die Projekte bedeuten würde, die wir mit unseren Partnern umsetzen.
Ein größeres Programm in einem schlankeren EU-Haushalt
Am 16. Juli 2025 legte die Kommission ihren Vorschlag für den langfristigen EU-Haushalt 2028–2034 im Umfang von knapp 2 Billionen Euro vor und verringerte die Zahl der Ausgabenprogramme von 52 auf 16. Erasmus+ gehört zu den Programmen, die als Marke erhalten bleiben, und es wächst: Die Kommission schlägt 40,8 Milliarden Euro zu jeweiligen Preisen (36,2 Milliarden Euro zu Preisen von 2025) für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport vor. Das sind rund 50 % mehr als die 26,2 Milliarden Euro des Programms 2021–2027, das selbst schon das Budget von 2014–2020 fast verdoppelt hatte.
Die vorgeschlagenen Ziele lesen sich wie eine Zusammenfassung dessen, was das Programm bereits leistet: hochwertiges lebenslanges Lernen, Lebenskompetenzen, beschäftigungsrelevante Kompetenzen und Schlüsselkompetenzen für alle, die Werte der Union, demokratische und gesellschaftliche Teilhabe, Solidarität, Inklusion und Chancengleichheit, eine engere Zusammenarbeit in der Jugendpolitik und eine stärkere europäische Dimension im Sport.
Ein gemeinsames Programm mit dem Europäischen Solidaritätskorps
Die größte strukturelle Änderung: Das Europäische Solidaritätskorps wäre kein eigenes Programm mehr. Freiwilligentätigkeit, Solidaritätsprojekte und das Europäische Freiwilligenkorps für humanitäre Hilfe sollen in Erasmus+ integriert werden, sodass junge Menschen Angebote für Mobilität, Lernen und Freiwilligenarbeit unter einem Dach finden. Für Organisationen wie unsere, die Erasmus+ Praktikant:innen aufnehmen und Jugendbegegnungen durchführen, bedeutet das ein Regelwerk und einen Programmleitfaden statt zwei.
AgoraEU für Bürger:innen, Rechte und Kultur
Neben Erasmus+ schlägt die Kommission AgoraEU vor, ein Programm mit rund 8,6 Milliarden Euro, das Kreatives Europa (Kultur und MEDIA+) mit dem derzeitigen Programm CERV für Bürger:innen, Gleichstellung, Rechte und Werte zusammenführt. Über CERV werden derzeit unsere Projekte TRUTH4YOUTH und Youth4GreenPolicy gefördert. Laut Vorschlag würde diese Art zivilgesellschaftlicher Arbeit im Förderbereich Demokratie, Bürger:innen, Rechte und Werte von AgoraEU weitergeführt. Zusammen würden Erasmus+ und AgoraEU rund 3 % des EU-Haushalts ausmachen.
Wo die Verhandlungen stehen
Am 11. Mai 2026 einigte sich der Rat der EU auf eine partielle Verhandlungsposition zur Verordnung über Erasmus+ und überließ die Finanzfragen den parallel laufenden Verhandlungen über den Gesamthaushalt. Die Mitgliedstaaten behielten die Architektur der Kommission bei, nahmen aber eine Reihe von Änderungen vor:
- Der Programmausschuss, in dem die Mitgliedstaaten das Programm steuern, wird wieder eingeführt, mit einem Arbeitsprogramm für neue Aktionen und einem für fortgeführte Aktionen.
- Allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport behalten jeweils ihren eigenen, sichtbaren Platz in der Verordnung. Jugendbegegnungen und DiscoverEU gehen weiter, Solidaritätsaktivitäten und Initiativen zur Jugendbeteiligung bleiben erhalten, und die Mobilität im Breitensport wird gefördert.
- Aus den „Erasmus+ Stipendien“ der Kommission werden Angebote zur Talent- und Exzellenzförderung, die mehr Arten transnationaler Programme offenstehen.
- Länder außerhalb der EU können sich ganz oder teilweise am Programm beteiligen, wobei eine Teilassoziierung an die Achtung der Werte der EU geknüpft ist.
Das Europäische Parlament arbeitet an seiner eigenen Position, der endgültige Text wird zwischen den beiden Institutionen vereinbart. Die Haushaltslinie hängt von der Einigung über den gesamten Finanzrahmen 2028–2034 ab, den die Mitgliedstaaten einstimmig beschließen müssen. Ziel ist, dass das neue Programm am 1. Jänner 2028 ohne Unterbrechung startet.
Was das für Jugendorganisationen bedeutet
Für das Arbeitsfeld stechen drei Punkte hervor. Erstens Kontinuität: Jugendbegegnungen, die Mobilität von Jugendarbeiter:innen und die Netzwerke, die darum herum entstanden sind, stehen nicht zur Debatte, und ein größeres Budget sollte mehr geförderte Projekte bedeuten, nicht weniger. Zweitens Integration: Ist die Freiwilligentätigkeit Teil von Erasmus+, kann ein junger Mensch, der mit einer Jugendbegegnung beginnt, im selben System mit einer Solidaritätsaktivität weitermachen, und Organisationen können beides gemeinsam planen. Drittens Vereinfachung: Weniger Programme und eine gemeinsame Rechtsgrundlage für Lernmobilität und Solidarität sollten weniger parallele Verfahren bedeuten, sofern die Durchführungsbestimmungen derselben Logik folgen.
Bei EMOTiC bereiten wir uns schon jetzt auf den Übergang vor: Wir planen unsere Mobilitäten für 2027 und 2028 mit Partnern, richten unsere Youthpass- und Qualitätsstandards am aktuellen Programmleitfaden aus und verfolgen die Verhandlungen genau. Wenn ihr eine Partnerorganisation seid und gemeinsame Projekte für die ersten Calls des neuen Programms besprechen wollt, meldet euch bei uns. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald es bei den Verhandlungen Neuigkeiten gibt.