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Artikel 8. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit

Zukunftskompetenzen für junge Menschen: Was sie bis 2030 brauchen und wie wir sie aufbauen

Fragt man Unternehmen, welche Kompetenzen sie 2030 brauchen werden, fallen die Antworten erstaunlich einheitlich aus: die Fähigkeit, Probleme zu analysieren und zu lösen, sich anzupassen, zu führen und mit anderen zusammenzuarbeiten, kreativ zu sein und immer weiter zu lernen. Die Technik verändert die Werkzeuge, die menschlichen Fähigkeiten dahinter bleiben. Dieser Artikel zeigt, was junge Menschen laut der aktuellen Datenlage brauchen, wie Europa diese Kompetenzen beschreibt und wie die Art des Lernens, die wir jede Woche in Wien praktizieren, sie aufbaut.

Was die Daten zeigen

Der Future of Jobs Report 2025 des Weltwirtschaftsforums beruht auf einer Befragung von mehr als tausend großen Arbeitgebern weltweit und geht davon aus, dass sich 39 % der Kernkompetenzen von Arbeitskräften bis 2030 verändern. Die Kompetenzen, die die Unternehmen als am wichtigsten einstufen, sind keine technischen. An erster Stelle steht analytisches Denken, genannt von sieben von zehn Unternehmen, gefolgt von Resilienz, Flexibilität und Agilität, Führung und sozialem Einfluss, kreativem Denken sowie Motivation und Selbstwahrnehmung. Technologische Kompetenz, Empathie und aktives Zuhören sowie Neugier und lebenslanges Lernen runden die Spitze der Liste ab.

Am stärksten wachsen technische Kompetenzen: KI und Big Data, Netzwerke und Cybersicherheit sowie technologische Kompetenz. Derselbe Bericht zeigt aber, dass kreatives Denken, Resilienz und die Lust auf lebenslanges Lernen ebenso stetig an Bedeutung gewinnen. Von je hundert Arbeitskräften werden nach Einschätzung der befragten Arbeitgeber 59 bis 2030 eine Weiterbildung brauchen, und 11 davon werden keine bekommen. Die Kluft zwischen denen, die weiterlernen, und denen, die es nicht tun, wird zur wichtigsten Trennlinie auf dem Arbeitsmarkt.

Wie Europa das einordnet

Die EU beschreibt diese Fähigkeiten als Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen: Lese- und Schreibkompetenz; Mehrsprachenkompetenz; mathematische Kompetenz und Kompetenz in Naturwissenschaften, Informatik und Technik; digitale Kompetenz; persönliche, soziale und Lernkompetenz; Bürgerkompetenz; unternehmerische Kompetenz sowie Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit. Dieselben acht Kompetenzen bilden die Struktur des Youthpass-Zertifikats, das Teilnehmende in Jugendprojekten von Erasmus+ erhalten. Deshalb lässt sich eine Jugendbegegnung als Lernerfahrung dokumentieren und nicht nur als Reise.

Zwei Transformationen erfordern zusätzlich ihre eigenen Kompetenzen. Die grüne Transformation braucht Menschen, die verstehen, wie Alltagsentscheidungen, Lieferketten und politische Maßnahmen das Klima beeinflussen, und die lokale Initiativen leiten können. Die digitale Transformation braucht Menschen, die Informationen beurteilen, Manipulation erkennen und online respektvoll widersprechen können. Deshalb steht Medienkompetenz im Mittelpunkt unserer Projekte zu Desinformation. Die Europäischen Jugendziele, auf die sich junge Menschen in ganz Europa verständigt haben, setzen hochwertiges Lernen, psychische Gesundheit, inklusive Gesellschaften und ein nachhaltiges grünes Europa auf dieselbe Liste, und diese Kombination beschreibt gut, was einen zukunftsfähigen jungen Menschen ausmacht.

Fünf Kompetenzen, die junge Menschen aus unserer Sicht am dringendsten brauchen

  • Kritisches und analytisches Denken: ein Problem zerlegen, Quellen prüfen, Belege abwägen und einen Standpunkt begründen.
  • Resilienz und Anpassungsfähigkeit: mit Unsicherheit, Feedback und Rückschlägen umgehen, ohne die Richtung zu verlieren.
  • Zusammenarbeit und Führung: zuhören, verhandeln, im Team Verantwortung übernehmen und anderen Raum geben.
  • Kreativität und unternehmerisches Denken: einen Bedarf erkennen, eine Antwort darauf entwickeln und sie mit echten Menschen testen.
  • Digital- und Medienkompetenz: digitale Werkzeuge einschließlich KI sicher nutzen und dabei kritische Distanz zu dem wahren, was der Bildschirm zeigt.

Wie non-formale Bildung sie aufbaut

Schulen und Hochschulen vermitteln das Wissen, geübt werden viele dieser Kompetenzen in der non-formalen Bildung. In unserem Policy Negotiation Lab und in den wöchentlichen Simulationen von Model United Nations und Model European Parliament recherchieren die Teilnehmenden eine Position, entwerfen Resolutionen, schmieden Koalitionen und leiten Sitzungen. So trainieren sie Analyse, Reden vor Publikum und Führung zugleich. Das Entrepreneurship Lab führt ein gesellschaftliches Thema von der Idee bis zum Pitch, das Digital Citizenship Lab beschäftigt sich mit Falschinformationen und Verhalten im Netz, und das Empowerment Lab macht aus Führung konkrete Peer-Support-Projekte in Wien.

Erasmus+ Jugendbegegnungen und Trainingskurse bringen die interkulturelle Dimension hinzu: Eine Woche mit Menschen aus sechs oder acht Ländern, in einer Sprache, die für niemanden die Erstsprache ist, ist einer der schnellsten Wege, Anpassungsfähigkeit und Selbstvertrauen aufzubauen. Jede Aktivität endet mit einer Reflexion, denn eine Kompetenz gehört erst dann wirklich dir, wenn du sie benennen kannst, und der Youthpass macht aus dieser Reflexion ein Dokument, das Arbeitgeber und Hochschulen verstehen. Freiwilligenarbeit und Praktika bei uns gehen noch einen Schritt weiter: Freiwillige und Praktikant:innen planen Veranstaltungen, betreuen die Kommunikation, unterstützen Trainer:innen und werden darin geschult, selbst Simulationen zu leiten, mit einer Mentorin oder einem Mentor an ihrer Seite.

Was du jetzt tun kannst

Wenn du zwischen 14 und 30 Jahre alt bist und diese Kompetenzen aufbauen willst, mach bei einem unserer Labs mit, bewirb dich für eine Jugendbegegnung oder einen Trainingskurs, sobald ein Call offen ist, oder komm als Freiwillige:r oder Praktikant:in zu uns. Wenn du unterrichtest oder in der Jugendarbeit tätig bist: Unsere Schulworkshops und Trainingskurse sind so angelegt, dass du sie an deine eigenen Gruppen anpassen kannst. Und wenn du in einem Unternehmen oder an einer Hochschule arbeitest, sprich mit uns über berufspraktische Tage und Erasmus+ Traineeships: Zukunftskompetenzen versteht man am besten, wenn man jungen Menschen dabei zusieht, wie sie sie üben.

Quellen und weiterführende Literatur

Verfasst vom EMOTiC-Team. Die Zahlen entsprechen dem Stand der oben verlinkten Dokumente beim Verfassen des Artikels.

ArtikelKompetenzenNon-formale BildungJugend

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