EMOTiC hat diesen Erasmus+ Trainingskurs in Wien beantragt und koordiniert. Er brachte 30 Jugendarbeiter:innen im Alter von 20 bis 35 Jahren aus Algerien, Deutschland, Frankreich, Libyen, Österreich und Tunesien zusammen. Zu den Partnern gehörten die Arab Organisation of Diplomacy in Wien, EPEKA, die INNOVA Academy in Algerien, YALD in Tunesien und ALKHAIR in Libyen.
Warum dieser Kurs
In der Arbeit mit vielfältigen und marginalisierten jungen Menschen stehen Jugendarbeiter:innen oft an vorderster Front. Die gängigen Ansätze zu kultureller und sozialer Kompetenz bereiten sie jedoch selten auf die Machtstrukturen hinter Ungleichheit vor oder darauf, in ihrem Arbeitsalltag mit Konflikten umzugehen. Gleichzeitig untergraben Konflikte in ihren vielen Formen das Potenzial junger Menschen und behindern sogar ihre grundlegende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Ein emanzipatorischer Ansatz
Das Training verfolgte einen emanzipatorischen Ansatz, der Machtstrukturen hinterfragt, statt sie als Status quo hinzunehmen, und auf kritischem Denken und innovativer Praxis der Konflikttransformation aufbaut. Ziel war eine umfassendere, kulturell und sozial kompetente Jugendarbeit, die Ungleichheit und Marginalisierung thematisiert, Konflikte sicher und konstruktiv bearbeitet und zugleich emotionale und soziale Intelligenz sowie die Fähigkeit stärkt, als Zeug:in einzugreifen.
Alle Teilnehmenden wählten jeweils ein lokales Anliegen aus ihrer eigenen Community, ob Umwelt, Inklusion, Bildung, Digitalisierung, Menschenrechte, Gender oder Diskriminierung oder auch Themen wie Armut, Beschäftigung und Klimawandel. Alle Anliegen wurden mithilfe des Konzepts sichtbarer und unsichtbarer Gewalt untersucht. Es diente als Brille, um Lösungen zu finden und die Fähigkeiten und Werkzeuge zu entwickeln, mit denen sich die Anliegen konstruktiv angehen lassen.
Das Programm
Das Programm begann mit der Frage, was Gewalt und Gewaltfreiheit sind, und widmete sich dann Solidarität als Werkzeug gegen Gewalt, emotionalem und kognitivem Bewusstsein, Kommunikation als Werkzeug der Transformation und dem Schritt von unbewusster Gewalt zu bewusstem Handeln. Die Teilnehmenden erlebten eine Simulation und ein Brettspiel zu positivem Konfliktmanagement, die gemeinsam mit einer Fachperson in Rollenspielen umgesetzt wurden. Danach lernten sie Werkzeuge der Konfliktanalyse kennen, wandten sie auf einen eigenen Konflikt an und widmeten sich schließlich der Ideenfindung, der strategischen Planung sowie dem Monitoring und der Evaluation von Initiativen zur Konflikttransformation.
Vom Training zum Handeln vor Ort
Außerdem entwickelten die Teilnehmenden ein Trainingsmodul für ihren eigenen Alltag. In nationalen Teams konzipierten sie eine lokale Initiative, etwa einen Workshop an einer Schule oder Universität, ein Webinar, eine digitale Kampagne oder eine Interviewreihe, präsentierten Problem, Lösung und Interventionsstrategie und holten sich Feedback dazu. Tägliche Reflexionszeiten, ein interkultureller Abend und Gemeinschaftsabende boten Raum für Austausch, und das Gelernte wurde mit einem Youthpass-Zertifikat anerkannt.
Die Follow-up-Phase von Dezember 2024 bis Februar 2025 war der Umsetzung der Initiativen vor Ort gewidmet, mit Unterstützung des EMOTiC-Teams. Ein weiteres Ziel des Kurses war es, einen kompakten Trainingsleitfaden für die weitere Nutzung auf lokaler Ebene zusammenzustellen, der die Verbindungen zwischen formaler Bildung, non-formalem Training, Engagement in der Community und gesellschaftlichem Wandel stärkt.
Dieses internationale Projekt wurde mit Unterstützung des Programms Erasmus+ der Europäischen Union über die österreichische Nationalagentur OeAD umgesetzt. EMOTiC war Koordinator und Gastgeber.
Partner: Arab Organisation of Diplomacy (Österreich), EPEKA, INNOVA Academy (Algerien), YALD (Tunesien), ALKHAIR (Libyen).
Projektnummer: 2024-1-AT01-KA153-YOU-000232639