Vor die Frage gestellt, ob man sich zuerst um Jugendarbeiter:innen oder um junge Menschen kümmern sollte, kam das Team zu dem Schluss, dass Jugendarbeiter:innen zuerst die richtigen Werkzeuge und Unterstützung brauchen, damit sie jungen Menschen wirksam helfen können. Dieser Trainingskurs im Rahmen von Erasmus+ mit dem Untertitel „Outdoor-Pädagogik von der Theorie zur Praxis“ wurde von Citizens of Europe e.V. in Deutschland koordiniert und von EMOTiC in Wien ausgerichtet. Er brachte 30 Jugendarbeiter:innen im Alter von 20 bis 35 Jahren aus Österreich, Kroatien, Tschechien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Italien, Polen, der Slowakei und Slowenien zusammen.
Die Herausforderung
Junge Menschen in ganz Europa stehen vor wachsenden Herausforderungen, die ihr soziales, persönliches und berufliches Leben beeinträchtigen: soziale Ausgrenzung im Zusammenhang mit verschärften politischen Spannungen, gesundheitliche Probleme, die sich durch die COVID-19-Pandemie verschlimmert haben, wirtschaftlicher Druck durch die Inflation und Umweltzerstörung durch Überkonsum und Überproduktion. Zusammen haben sie der sozialen und psychischen Gesundheit von jungen Menschen und Jugendarbeiter:innen gleichermaßen zugesetzt und ebenso dem Wohlergehen der Natur selbst.
Experientialisation
Der Kurs beruhte auf dem Ansatz der Experientialisation, der in der erfahrungsbasierten Outdoor-Pädagogik wurzelt. Die Jugendarbeiter:innen lernten, naturbasierte Aktivitäten zu gestalten und anzuleiten, die Inklusion und Wohlbefinden fördern und zugleich etwas für die Umwelt bewirken. Herausforderungen im Freien fördern persönliches Wachstum und Gruppenentwicklung durch authentische Erfahrungen, Interaktion in der Gruppe und Selbsterkundung. Seit der Pandemie, die viel Stress, Angst und eine übermäßige Digitalisierung mit sich brachte, ist das wichtiger denn je. Margaret McMillan brachte es so auf den Punkt: „Das beste Klassenzimmer und der reichste Vorratsschrank haben nur den Himmel als Dach.“
Outdoor-Pädagogik für alle
Zugänglichkeit war ein zentrales Prinzip. Das Training stellte Outdoor-Pädagogik neu vor, und zwar so, dass Sicherheit und Wohlbefinden der Teilnehmenden an erster Stelle stehen, Menschen, die starker körperlicher Belastung nicht gewachsen sind, nicht ausgeschlossen werden und leicht erreichbare Orte wie öffentliche Höfe, Gemeinschaftsgärten und Nationalparks genutzt werden. Der Ansatz vermittelt außerdem Werte, die in der Jugendarbeit wichtig sind: nachhaltiges Leben, ein respektvolles Miteinander mit der Natur, Demut und die Bereitschaft, die eigene Komfortzone zu verlassen.
Das Programm
Das Programm spannte den Bogen von den Herausforderungen junger Menschen und der Rolle der Jugendarbeit im Umgang mit Ausgrenzung, psychischer Gesundheit und Klimaangst bis zu den Prinzipien, Theorien und Methoden der Outdoor-Pädagogik. Die Teilnehmenden erlebten Outdoor-Aktivitäten zu Kommunikation und Teamarbeit, Selbstentwicklung und Inklusion sowie Wohlbefinden und Gesundheit, dazu einen Ausflug in die Natur und Einheiten, in denen es darum ging, wieder eine Verbindung zur Natur herzustellen. Ein Open Space für neue Ideen und ein Hackathon zur Outdoor-Pädagogik halfen dabei, aus Inspiration konkrete Pläne zu machen.
Zurück zu Hause
Während des Trainings entwickelten und erprobten die Teilnehmenden eigene kleine Outdoor-Aktivitäten und erarbeiteten lokale Aktionspläne, die das Team auch nach der Woche weiter begleitete. Die Folgephase von Oktober bis Dezember 2024 diente dazu, diese Aktivitäten in die eigenen Communities der Teilnehmenden zu bringen. Tägliche Reflexionszeiten, interkulturelle Gespräche und eine Abschiedsparty rundeten die Woche ab, und eine Youthpass-Einheit half allen, über ihr Lernen nachzudenken.