Was passiert, wenn man jungen Menschen nicht die Antworten, sondern die richtigen Fragen zur Zukunft unseres Planeten mitgibt?
Es entstehen kritische Gespräche, neues Engagement für das Klima und ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit, das klein beginnt und weite Kreise zieht.
Seit seinem Start im März 2024 setzt das Projekt SDGs Intelligence seine Mission in Österreich, Lettland und Slowenien um. Hier sind einige Höhepunkte aus der Projektumsetzung und aus unseren Pilotworkshops.
Worum geht es bei SDGs Intelligence?
SDGs Intelligence wurde vom Programm Erasmus+ gefördert und von Ecological Future Education (EFE) koordiniert. Am Anfang stand eine einfache, aber starke Überzeugung: Junge Menschen verdienen bessere Werkzeuge, um Nachhaltigkeit zu verstehen, zu hinterfragen und sich für sie einzusetzen.
Zu oft beschränkt sich die Bildung zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) auf Folienpräsentationen, abstrakte Theorie oder wohlklingende Slogans. Bei vielen jungen Menschen, besonders bei jenen, die von polarisierendem Klimaaktivismus enttäuscht oder von globalen Herausforderungen überfordert sind, weckt dieser Ansatz keine Lust zum Handeln. Er schafft Distanz. Deshalb geht SDGs Intelligence einen anderen Weg.
Im Mittelpunkt steht ein neues, partizipatives Bildungswerkzeug: die SDGs Cards Box. Sie ist nicht einfach ein weiteres Lernmaterial, sondern ein Gesprächsmotor. Mit 70 sorgfältig gestalteten Karten regt die Box zu echtem Dialog über jedes der 17 SDGs an. Sie lädt junge Menschen ein, nachzudenken, zu diskutieren und Lösungen zu entwerfen, und zwar aus drei Blickwinkeln: ökologisch, sozial und wirtschaftlich. Jede Karte enthält kritische Fragen, datengestützte Impulse und Hintergrundinformationen, die Neugier wecken und Annahmen infrage stellen. Die Karten sollen keine fertigen Antworten liefern, sondern jungen Menschen helfen, ihre eigenen zu finden.
Zum Projekt gehört auch ein praktischer Leitfaden für Jugendarbeiter:innen, damit Pädagog:innen, Mentor:innen und Moderator:innen die Karten sicher in der Praxis einsetzen können, ob im Jugendzentrum, im Klassenzimmer oder auf einer Parkbank. In Verbindung mit interaktiven, inklusiven lokalen Workshops wird das Werkzeug zum Ausgangspunkt für echtes Engagement, bei dem Nachhaltigkeit nicht nur gelehrt, sondern von jungen Menschen selbst gelebt, erkundet und neu gedacht wird.
Hinter den Kulissen: Wie die Werkzeuge entstanden
Von April bis Juli 2024 arbeiteten die Partnerorganisationen EMOTiC (Österreich), EFE (Lettland) und EPEKA (Slowenien) in einer intensiven Co-Design-Phase zusammen. Mit partizipativen Methoden wie dem Reciprocal Maieutic Approach (RMA) und Persona-Profilen sorgten wir dafür, dass die Karten nicht nur informativ sind, sondern die Lebenswelt, die Sprache und die Wünsche junger Menschen wirklich widerspiegeln.
Die fertige SDGs Cards Box enthält:
- 51 Fragekarten, drei zu jedem SDG
- 9 lösungsorientierte Karten
- 10 Hilfekarten mit Anleitungen und zusätzlichem Hintergrundwissen
- Fassungen in vier Sprachen: Englisch, Lettisch, Deutsch und Slowenisch
Parallel dazu nahmen Jugendarbeiter:innen aus den drei Ländern an einem transnationalen Training teil. Dort lernten sie, die Karten in Workshops wirkungsvoll einzusetzen und an unterschiedliche Zielgruppen anzupassen.
Vom Entwurf zur Praxis: lokale Pilotworkshops
Zwischen September und Dezember 2024 führten wir in jedem Land lokale Pilotworkshops durch, den ersten Praxistest der Karten mit jungen Menschen.
Österreich
Im Climate Lab von EMOTiC verknüpften junge Teilnehmende mithilfe der Karten soziale Gerechtigkeit mit Klimaschutz. Das Gespräch über SDG 10 (Weniger Ungleichheiten) führte zu einer von Jugendlichen getragenen Kampagne für gebrauchte Schulsachen, die Abfall und zugleich den finanziellen Druck auf Familien verringert.
Lettland
In Kleingruppen beschäftigten sich junge Teilnehmende mit den SDGs, die ihnen am wichtigsten waren, von nachhaltigen Städten bis zu hochwertiger Bildung. Ein Höhepunkt: Inspiriert von SDG 15 (Leben an Land) schlug eine Gruppe eine Initiative für „grüne Korridore“ vor, um die Biodiversität auf ihren Schulhöfen zu erhöhen.
Slowenien
Im Gemeinschaftszentrum von EPEKA führten junge Menschen aus unterrepräsentierten Gruppen, darunter junge Roma, lebhafte Debatten über wirtschaftliche Nachhaltigkeit und den Zugang zu grünen Jobs. Die Karten brachten neue Ideen für lokales Unternehmertum im Sinne von SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum) hervor.
Insgesamt nahmen mehr als 50 junge Menschen an der ersten Pilotphase teil, und es kommen laufend weitere hinzu, weil die Materialien offen mit anderen Jugendgruppen und Pädagog:innen geteilt werden.
Stimmen hörbar machen
Um den Schwung zu nutzen, führte jede Partnerorganisation eine Social-Media-Kampagne durch. Sie rückte die Sichtweisen junger Menschen ins Licht, teilte Erkenntnisse aus den Pilotworkshops und lud andere ein, die SDGs Cards Box selbst zu entdecken. Folge #SDGsIntelligence und sieh dir an, wie junge Menschen sich das Gespräch über Nachhaltigkeit zurückholen, Frage für Frage.
Abschlussphase: abgeschlossen und geteilt
Die letzte Phase von SDGs Intelligence ist abgeschlossen. Der SDGs-Leitfaden wurde veröffentlicht und ist online frei verfügbar, und Jugendarbeiter:innen in ganz Europa haben begonnen, die Cards Box in ihren Bildungsaktivitäten einzusetzen. Die Erkenntnisse aus den lokalen Pilotworkshops flossen in die Verbesserung der Werkzeuge ein, und die Verbreitung wurde über die Plattformen von Erasmus+ und SALTO ausgeweitet. Mit Stand März 2025 hat das Projekt die Grundlage dafür geschaffen, dass mehr als 100 Pädagog:innen und Jugendarbeiter:innen sinnvolle, inklusive und handlungsorientierte Gespräche über Nachhaltigkeit führen können.
Materialien zum Herunterladen
Alle Projektmaterialien stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz und können frei genutzt und angepasst werden.
Mach mit
Ob du Jugendarbeiter:in oder Lehrer:in bist oder dich einfach für Nachhaltigkeit begeisterst: Wir laden dich ein, die SDGs Cards Box herunterzuladen, dich am Gespräch zu beteiligen und jungen Menschen zu helfen, globale Ziele in lokales Handeln umzusetzen. Für Neuigkeiten, Materialien und Geschichten aus der Praxis folge uns in den sozialen Medien oder kontaktiere uns.
Insgesamt war SDGs Intelligence auf vielen Ebenen ein Erfolg. Die SDGs Cards Box wurde gemeinsam mit Jugendarbeiter:innen, Moderator:innen und mehr als 50 jungen Menschen entwickelt und erprobt. Über Folgeveranstaltungen, soziale Medien und weitere Aktivitäten in der Community erreichte das Projekt mehr als 400 Menschen.
„Am meisten hat mir gefallen, dass wir die SDGs zuerst anhand gezielter Fragen erkundet haben. Es ging nicht nur darum, Antworten zu geben, sondern die richtigen Fragen zu stellen und gemeinsam nachzudenken.“Teilnehmer:in
„Ich dachte immer, Nachhaltigkeit sei etwas weit Entferntes, etwas für Regierungen oder die Wissenschaft. Durch dieses Projekt habe ich erkannt, wie eng sie mit meinem Alltag verbunden ist.“Teilnehmer:in
„In der Jugendarbeit habe ich über die Jahre viele Methoden eingesetzt, aber diese fühlte sich neu an. Sie hat tiefere Gespräche angeregt, und mit dem Leitfaden ließ sie sich leicht an die Bedürfnisse unserer Gruppe anpassen.“Jugendarbeiter:in